Gottes und nicht bloß "der gute Mensch von Nazaret"; Ja zum dreifaltigen Gott, nicht als "bildhafter Ausdruck der Transzendenz", sondern als unerschöpfliche Fülle eines Lebens, zu der der Mensch gerufen ist; Ja zur Kirche als "komplexe Wirklichkeit" - so das Konzil - vom Göttlichen und Menschlichen - und als Mutter liebenswert. Und Ja zu einer Moral, die die innere Wahrheit des Menschen ernster nimmt als die äußeren Reize der Zeiten und deshalb fordert, Farbe zu bekennen, Schuld einzugestehen, das mühsame Gute zu erstreben, das Versagen mit Blick auf die Barmherzigkeit Gottes in Kauf zu nehmen.
Maria im Kreis der Jünger
In der Mitte des am Pfingsttag versammelten Kreises von ungeduldigen, unerfahrenen Beter steht eine, die sich gut auskennt. Sie weiß seit langem, was Umgang mit dem Heiligen Geist ist, und was Beharrlichkeit heißt. Die Erfahrung mit dem Geist stand am Anfang ihrer Berufung zur Gottesmutterschaft. Jetzt, etwa dreißig Jahre danach, mag sie oft in die Vergangenheit geschaut haben: Die Dunkelheit von damals hat sich gelichtet, aber das Geheimnis steht noch mitten in seiner Entfaltung. Und sie schaut in die Zukunft: Nur langsam erhalten alle jene prophetischen Aussagen Konturen, in denen von einem neuen Volk, das alle Grenzen von Rasse, Raum und Zeit sprengen wird, die Rede ist. Sie weiß, dass der Augenblick einer neuen Geburt bevorsteht. Damals in Bethlehem wurde Er geboren, jetzt soll hier, im Abendmahlssaal, seine Kirche ans Licht treten.
Maria lehrt die Jünger damals und uns heute was es heißt, auf den Geist hören. Sie lehrt ihn als Person erfahren und erkennen, was er von uns wirklich will, statt dass wir uns selbst Antworten geben.
Damals wird sich der Blick der Mutter ganz konkret auf die betenden Menschen um sie gerichtet haben. Sie ist nach dem Wort Jesu am Kreuz auch die Mutter dieser Zeugen der Auferstehung, die zu Säulen des neuen Volkes Gottes werden sollen. Maria lehrt sie Beten und ist ihnen, den gelegentlich Ungeduldigen, Vorbild der Beharrlichkeit. Wahrscheinlich gab es Augenblicke, in denen das "Wie lange noch?" eine gefährliche Versuchung war. Ein Blick auf Maria, die Erfahrene, wird dann gereicht haben. Hier werden sie angefangen haben zu ahnen, dass die liebende Verehrung der Mutter kein Hindernis für die Nachfolge des Sohnes ist, eher die Voraussetzung.
In dem Augenblick, in dem die Verheißung des Herrn sich erfüllt, zieht sich Maria zurück. Von diesem Augenblick an hören wir nichts mehr von ihr. Sie bleibt ständig gegenwärtig, aber im Schatten, in der Verborgenheit des Inneren - wie das Herz, wie die Lungen, wie das Blut. Nun ist Petrus die sichtbare Mitte jener Gemeinde. Er und alle anderen haben von Maria gelernt. Und der Geist beginnt, das Angesicht der Erde zu erneuern.
Im „Veni Creator Spiritus“, im deutschen Raum im 9. Jahrhundert entstanden, ist das strahlende österliche Licht zugleich „fons vivus, ignis, caritas et spiritalis unctio – lebendige Quelle, Feuer, Liebe und Salbung im Geiste“. Wasser und Feuer... Hier sind sie kein Gegensatz. Beide zusammen reinigen, verlebendigen und entflammen Sinne und Gemüt: "Accende lumen sensibus, infunde amorem cordibus – zünde an ein Licht in den Sinnen, flösse Liebe in die Herzen ein!“
Der Heilige Geist, Gott und Liebesband innerhalb der Dreifaltigkeit, wirkt in uns, schafft Leben, erleuchtet den Verstand, stärkt den Willen und zündet an in den Sinnen ein Licht. In einem poetisch-lyrischem Exkurs ließe sich die Reihenfolge anmerken, wie zuerst Licht für die Sinne, dann Liebe für die Herzen erbeten wird. Dies ist ja der normale Weg zur Erkenntnis der Dinge: Durch Sehen, Hören, Berühren gelangt man zum Erkennen, Empfinden, Lieben... Und zur Schönheit der Schöpfung, die dann selbst den Pfad zum Übernatürlichen andeutet und Gott zu lobpreisen vermag. Auf diesem Weg schreitend öffnet sich unser Geist für das eigentliche Geheimnis des Menschen. Es ist das Geheimnis der Gotteskindschaft.
Abba - Vater!
Der Heilige Geist ist jener, der uns sagen lässt: "Abba, Vater". „So nimmt sich auch der Geist unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können.“ (Röm 8,26)
Anders gewendet: Der Heilige Geist ist jener der hilft, unsere Worte des Gebetes zu vertiefen. Ein mündliches Gebet wird dann nicht nur hergesagt, es wirkt im Gemüt. Ein Stoßgebet wird dann zum Gebet des Herzens. Das Wort, äußerlich gesprochen, ist die Kleidung des hoffenden Glaubens und der Sehnsucht.
Im Gegensatz dazu steht das ungeduldige „Wie lange noch?“ Oder die störende Frage nach dem Nutzen. "Wozu?" "Hat es einen Sinn"? "Hilft es mir?" Es sind Einstellungen, die die die Perspektive verzerren, weil das Beten nicht von Sehnsucht nach Nähe Gottes, sondern vom Aktivismus bestimmt wird. Diese Haltung macht es schwer, sich auf ein stilles Gebet einzulassen.
Der hl. Josefmaria deutet dies an: „Der Heilige Geist will mit seinen Eingebungen unseren Gedanken, Werken und Wünschen einen übernatürlichen Ton verleihen. Er treibt uns dazu an, die Lehre Christi zu bejahen und uns zutiefst anzueignen, Er erleuchtet uns, damit wir uns unserer persönlichen Berufung bewusst werden, und stärkt uns, damit wir tun, was Gott von uns erwartet. (...)Wenn wir uns von dem in uns wohnenden Lebenshauch, dem Heiligen Geist, leiten lassen, wird unser geistliches Leben immer weiter wachsen; wir werden uns dann der Hand Gottes, unseres Vaters, mit der Spontaneität und dem Vertrauen eines Kindes überlassen, das sich in die Arme seines Vaters wirft.“ (Christus begegnen, 135).
Der Heilige Geist ist „der Geist der Wahrheit“ (Jo 14,17), so nennt ihn der Herr. In der Kraft seines Wirkens behält der gottgeschenkte Glaube präzise Konturen trotz der wechselnden Strömungen der Zeit: Ja zu Christus, dem menschgewordenen Sohn
Meditation zum Pfingstfest
Als die Jünger nach der Himmelfahrt des Herrn „in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben“. (Apg 1,13). Nach einer alten Tradition war dieses Obergemach derselbe Raum, in welchem Jesus die Eucharistie eingesetzt und Worte des Abschieds gesprochen hatte. Wie anders wird ihnen alles beim Betreten des Raumes vorgekommen sein! Äußerlich dasselbe Umfeld, innerlich eine ganz andere Atmosphäre. Der Tisch, die Polster, die Fenster – jeder Gegenstand erinnerte an die Gesten und Worte des Herrn damals beim „letzten Abendmahl“. Aber jetzt ist ihre damalige traurige Ratlosigkeit vom Anblick des Auferstandenen bezwungen. Eine Spur Trauer mag vielleicht noch verblieben sein. Denn sie wissen, dass sie ihn nicht mehr im Glanz des verherrlichten Leibes sehen werden. Er hat Abschied genommen und sie in eine neue Aufgabe eingeführt: „Ihr werdet meine Zeugen sein... bis an die Grenzen der Erde" (Apg 1, 8).
Ein rätselhaftes Wort begleitete den Auftrag: „Wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt. (...) Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird.“ (Apg 1,4. 8)
Wer ist der von Jesus verheißene Helfer? „ Er wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ (vgl. Joh 14,16; 18; 26). Sicher ahnten die Jünger, dass hinter allem, was sie mit ihren Augen gesehen und mit ihren Ohren gehört hatten während der Zeit, dass sie beim Herrn waren, eine verborgene Wirklichkeit lag, eine neue Dimension. Nun wird ihnen eine neue Sicht in einem neuen Licht verheißen. Deshalb ist ihr Beten von Sehnsucht, Ungeduld, wahrscheinlich auch von Neugier und Vorfreude geprägt. Wer ist dieser "Heilige Geist?"
Veni ... Komm ... !
Die liturgischen Hymnen von Pfingsten wollen die Atmosphäre, die damals in der Anfangsstunde der Kirche herrschte, heute vergegenwärtigen. Sie lassen uns Anwesenheit und Wirken von Gottes Geist in der Kirche heftig erbeten: Veni, Komm! Du, Creator Spiritus, Schöpfergeist! Du, Sancte Spiritus, heiligender Geist!
Im „Veni Sancte Spiritus" heißt es, die "lux beatissima", das beseligende Licht möge "cordis intima", die Herzensmitte der Gläubigen erfüllen.
Hendrick van Balen: Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, um 1625, in der Sint-Jacobskerk in Antwerpen