seiner Hände und seiner Füße, die jetzt „leuchten in Herrlichkeit“ (Ostervigil, Bereitung der Osterkerze). Und er will sogar mit ihnen Mahl halten – wie in früheren Zeiten...


Ließe sich nicht von diesem „Materialismus“ her, den der Auferstanden damals so deutlich betonte, eine erneuerte Art, das österliche Geheimnis heute zu „fassen“? Vielleicht hängen viele unwillkürlich noch an einem spiritualisierten Verständnis. Ostern erscheint ihnen als alljährliche Selbstverständlichkeit: wie der Frühling  - dieser  im Kreislauf der Natur, jener im Rhythmus unserer Feiertage eingebettet. Da ist kein Raum für Staunen. Aber Ostern ist nicht bloß der jährlich wiederkehrende Feiertag, sondern die staunenswerte Realität, die auch heute und jeden Tag präsent ist, weil sie damals vor zweitausend Jahren wirklich, real, leibhaftig geschah.


Schrittweise zur Klarheit


Die Jünger werden am Ostertag von ihrem engen "Spiritualismus" geheilt und öffnen sich schrittweise dem Staunen.

Als erster Schritt steht eine noch unpräzise Erfahrung: Einige - zuerst die Frauen, dann die Jünger von Emmaus - versichern, den Herrn gesehen zu haben... Es geht also doch weiter mit Jesus. Aber wie? „Sie redeten darüber“, heißt es (Lk 24,36). Natürlich werden sie dabei die Ebene des Denkbaren und Vorstellbaren nicht überschritten haben: Wenn er tatsächlich erschienen sei, dann könne es nur sein Geist gewesen sein. Geister sind Menschen unheimlich, weil unnatürlich. Dieser erste Schritt bringt noch nicht den Frieden. Anstelle der  Niedergeschlagenheit, tritt die unklare Furcht vor einer unergründlichen Wirklichkeit ein. Vielleicht drängt sich sogar die Frage auf: Wird er uns zur Rechenschaft ziehen, gar Vorwürfe machen?


Der zweite Schritt führt die Jünger zur freudigen Gewissheit. Sie vernehmen den wohlvertrautenden Friedensgruß Jesu. "Während sie darüber redeten..." (ebda.) ist der Herr mitten unter ihnen. Er ist also kein Geist, sondern er selbst, leibhaftig. Denn "er zeigte ihnen seine Hände und Füße" - durchbohrt, aber weder entsetzlich noch anklagend. Seine Wunden „leuchten in Herrlichkeit“ (Ostervigil) und sind Merkmale eines Triumphes. Als möchte der Herr die

Eine Zeitlang war es theologische Mode, von der "Sache Jesu" zu reden, die "weitergehe". Christi Auferstehung musste ja "spiritualisiert", von der Grobheit des Materiellen gereinigt werden. Es war der verschämte Versuch anzudeuten, das Eigentliche, was uns erreiche sei ein aus der Gruft der Zeit kommendes Echo: die Stimme eines Toten.


Natürlich standen die kräftigen Worte des heiligen Paulus an die Korinther als Stolperstein da: Entweder sei der Herr wirklich auferstanden oder nicht. Wenn nicht, "... dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos... (und) wir sind erbärmlicher daran als alle anderen Menschen" (1 Kor 15, 14; 19) Wenn ja: Dann folgen Christen nicht der Lehre eines Toten, sondern der Person eines Lebenden. Nicht ein Leichnam spricht zu uns, sondern einer, der die Fülle des Lebens ist.


Verdünnter Spiritualismus und heilsamer Materialismus


Vermutlich dachten die Jünger, als sie den Auferstandenen begegneten, zu "spiritualistisch" und zu wenig "materialistisch". Wäre ihnen der "Geist" Jesu erschienen, hätten sie wohl erschüttert reagiert und sich dann den Tatsachen gebeugt. Aber der Herr zeigt sich ihnen wirklich leibhaftig, er verweist auf die Wunden


Im österlichen Licht


Meditation zur Osterzeit

Jünger in dieser neuen Sicht festlegen, schlägt er ihnen vor: "Habt ihr etwas zu essen hier?" Er knüpft an die viele Mahlgemeinschaften mit ihnen an.


Voll entfaltete Leiblichkeit


Wir können jetzt besser als die Jünger damals das Ereignis theologisch deuten: Die Menschwerdung des göttlichen Logos ist durch den Tod nicht zurückgenommen - sie hat sich vielmehr voll entfaltet. Im auferstandene Herrn wird eine Gestalt der Leiblichkeit sichtbar, die ahnen lässt, was Vollendung des Menschen bei Gott sein kann, wenn wir nicht mehr "in einen Spiegel schauen“ und "nur rätselhafte Umrisse" sehen (1 Kor, 13,12).  Wir ahnen wie groß der Mensch ist, und auch - ein aktueller Gedanke zu Zeiten platter Materialismen -  wie geheimnisvoll vielfältig Materie sein kann. Denn heute sind wir nicht mehr so naiv bei der Bewertung von naturwissenschaftlichen Weltbildern. Und sogar Physiker sprechen von für uns unvorstellbaren, und doch realen Zuständen einer Materie, die eben anders ist als der Tisch, den wir berühren.


Ein letzter Schritt führt die Jünger ins volle Licht. Der Auferstandene "öffnete ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift" (Lk 24,45). Natürlich geht es hier nicht um ein gelehrtes Verstehen, sondern um die tiefere Sicht der Zusammenhänge vom Glauben her. Alles, was Ärgernis war, wird zum Erweis einer Gewissheit: Er - Gottes Sohn - hat den Tod und die Sünde vernichtet, er ist unter uns, aber nicht als einer, der zum alten Leben wiederkehrt, sondern als jener, der ein neues Leben bringt, jenseits des toten Todes.

Wie herrlich die Osterbotschaft, im „Lumen Christi“ (Ostervigil) erfasst! Der leibhaftige Jesus bleibt unter uns. Nicht sein Geist, nicht seine "Sache", nicht seine Ideen. „Christus, der auferstandene Christus, ist unser Begleiter und Freund; ein Begleiter, der nur wie durch Schatten hindurch sichtbar wird, dessen Wirklichkeit jedoch unser ganzes Leben erfüllt und uns seine endgültige Gegenwart herbeisehnen lässt.“ (hl. Josefmaria Escrivá, Christus begegnen 116)