Verhalten der Lokal- oder Regionalbehörden in den einzelnen Distrikten unterschiedlich ist.
In der Praxis hätten die meisten Bischöfe der offiziellen Kirche um die Anerkennung des Papstes ersucht und sie auch erhalten.
Ebenso interessant war der Hinweis, dass der Anteil der Christen unter Studenten mit 10 % doppelt so hoch ist als bei der sonstigen Bevölkerung. Ein solcher Aufbruch wie in der jungen chinesischen Generation ist in Taiwan, wo sich die katholische Kirche schon lange frei entfalten konnte, nicht zu verspüren.
Ragg unterstrich die Sorge und Anteilnahme des Papstes: Zum ersten Mal in der Geschichte sei die ganze Weltkirche zu einem Tag des Gebets für die Katholiken in China aufgerufen worden, jeweils am 24. Mai, dem Gedenktag Unserer Lieben Frau von Sheshan, die in Shanghai verehrt wird. In seinem Brief von Mai 2007 an die chinesischen Katholiken berührt er die Frage der Bischofsernennungen, die er als eines der heikelsten gegenwärtigen Probleme sieht, weil sie ja die Einheit der Kirche und der hierarchischen Gemeinschaft berühre. In diesem Brief äußert der Papst seine Hoffnung, dass es angesichts neuer Entwicklungen zu einer Vereinbarung mit der Regierung kommt. Dabei bekräftigt er, dass Autorität und Handeln des Papstes bei Ernennung und Auftrag für die Weihe eines Bischofs streng im religiösen Bereich angesiedelt bleiben.
Im Kontrast dazu erinnerten andere Bilder an die Zeiten starker Verfolgung, wie z.B. das Bild eines alten Priesters, der jahrelang aus Treue zum Glauben erniedrigende Situationen im Kerker durchgemacht hatte. Ebenso das bewegende Bild eines Greisen, der in einer armselig eingerichteten Wohnung im Bett lag. Vom Kopf des Bettes her beugte sich über ihn ein jüngerer Priester. Diese war der neue Bischof, der seinen Vorgänger pflegte.
Der Referent bemerkte dazu, es gebe in China zwei Generationen von Bischöfen: die der Neunzigjährigen und die der Vierzigjährigen. Das Bild beleuchtete zeichenhaft die geschichtliche Entwicklung: von der grausamen Verfolgung unter Mao, besonders in der Zeit der „Kulturrevolution“, bis zur heutigen distanzierten Tolerierung des Glaubenslebens mit relativer Freiheit und gelegentlichen Schikanen.
In der anschließenden Aussprache schilderte Michael Ragg die aktuelle Situation der so genannten „Untergrundkirche“ und der „patriotischen Kirche“, die je nach dem
Das starke Anwachsen des Christentums in China
von Horst Hennert
Überraschende Aussagen, von überraschenden Bilder untermauert, lieferte der Radio- und Fernsehjournalist Michael Ragg bei seinem Vortrag "Chinas Christen – Hoffnung für die Welt" am 15. Oktober im Bildungszentrum Feldmark in Berlin. Der Referent zeigte Bilder zweier Reisen nach China, auf denen er sich besonders für die Situation der chinesischen Katholiken interessiert hatte.
Zu den überraschenden Aussagen gehörte die Anmerkung, die christlichen Kirchen und Gemeinschaften haben bereits mehr Mitglieder als die Kommunistische Partei Chinas. Diese zählt etwa 70 Millionen Mitglieder.
Die Zahl der Christen schätzt man auf zwischen 70 und 100 Millionen. Die Bilder von schlangestehenden Frauen und Männern, die mit vor der Brust gekreuzten Armen sich dem Priester am Altar einer großen Kirche nähern. um sich fürs Katechumenat einzutragen, schienen dies zu bestätigen.
Der Leiter des Bildungszentrums, Horst Hennert, stellt den Referenten vor.
Der Referent, Michael Ragg